Pause

Stop

Dank DSGVO gibt es vorerst eine verordnete Zwangspause.

Bis der Blog wieder online geht, kann es etwas dauern.

Wer so lange nicht warten möchte: Mich gibt es auch weiterhin auf unfallchirurginundmutter – auf DocCheck.com 

Ich freue mich auf euch

Euer Lieschen Müller

 

Bildquelle: flickr.com, by Noirathsi’s Eye

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Ach, das wird schon!

Schach

Die Feiertage im Mai sind zahlreich. Die Urlaubszeit hat begonnen. Die ersten verunfallten Fahrrad- und Motorradfahrer fallen als OP-Schwestern, Anästhesisten und Pfleger aus.

1 OP Saal ist auch an normalen Arbeitstagen gesperrt, wegen des Personalmangels. Wie praktisch. Dann können also in der nächsten Woche alle Patienten endlich auf dem OP-Tisch landen, die jetzt schon 7 Tage auf einen OP-Platz warten und ein Krankenhausbett belegen.

Und der eine gesperrte OP Saal?

Ach, das wird schon. Der wird sicherlich am Montag wieder aufgemacht.

Packen wir also weiter das OP Programm voll. Schwupps, komplett ausgebucht von Montag bis Donnerstag. War da etwa ein Feiertag? Wie jeden Tag stehen da die Prothesen, die Bandscheibenoperationen, die Arthroskopien, die Mittelhandfrakturen.

Und die Patienten von letzter Woche?

Ach, das wird schon.

Also… die Kapazitäten der Intensivstationen sind im Umkreis noch ziemlich mies.

Ach, das wird schon. Irgendeiner wird wohl noch sterben. Dann gibt es wieder Betten.

Jetzt, so am Freitag, ist ja Sommerwetter angesagt. Noch mehr Fahrräder, Motorräder, Grillmeister und betrunken Gestürzte.

Ach, das wird schon. Die Leute sind ja auf Sommer eingestellt. Da passiert selten was.

Und überhaupt. Wenn einer der elektiven Prothesen doch noch am Wochenende vom Fahrrad fällt, braucht man ja Ersatz. Für den OP Plan. Vielleicht dann einer, der schon 7 Tage auf die operative Versorgung wartet.

Etwas verunsichert?

Ach, das wird schon.

 

Bildquelle: flickr.com, by Jotam Trejo

„Seit ich arbeite, schneide ich die Rinde ab“

Brot

Post von Lotte – ich freue mich!

Mein Arbeitsanfang steht vor der Tür und ich habe sie gefragt, wie es ihr damals ergangen ist. Ich freue mich riesig auf den Wiederanfang. Aber ich frage mich, ob mein Gewissen es wirklich gut heißt.

In letzter Zeit war ich unruhig. Ich merkte, dass ich ungeduldig werde, angespannt bin und die Freiheit herbei sehne, wieder arbeiten gehen zu dürfen. Ich denke, ich bin eine bessere Mutter, wenn ich arbeiten gehen kann. Leider ist mein Umfeld nicht davon überzeugt. Das schlechte Gewissen kommt immer mal wieder heimtückisch um die Ecke und klopft auf die Schulter: „Bist du ganz sicher, dass dein Kind gut aufgehoben ist? Es wäre doch sicherlich besser, wenn du dich Vollzeit kümmern würdest, oder nicht?“

Ich frage bei Lotte nach. Wie ist das mit dem schlechten Gewissen? Hat das Einfluss auf die Erziehung ihrer Kinder? Wird man deshalb gleich zur Über-Mutti, die ihre Kinder mit Süßigkeiten und Teddybären überhäuft?

Lotte lacht. Ihre Antwort: „Seit ich arbeite, schneide ich meinen Kindern die Rinde am Brot ab. Manchmal sogar die Schale am Apfel, weil sie die nicht mögen. Ich mache es mit dem vollem Bewusstsein, dass das eigentlich nicht sein müsste und ich nur das trotzige Kindergeschrei scheue. Dabei möchte ich die Zeit mit den Kindern genießen. Also ja, in manchen Dingen bin ich wahrscheinlich inkonsequent. In anderen Dingen wiederum ist eine Diskussion aufgrund des Zeitmangels einfach nicht möglich. Zum Beispiel was das abendliche Zubett-Gehen betrifft. Wenn ein Ausschlafen am nächsten Tag nicht geht, muss es abends einfach zeitig in die Betten gehen. Vielleicht toleriere ich auch etwas zu häufig das nächtliche Familienbett (zumindest wenn es nach den Meinungen einiger meiner Freundinnen geht), weil ich die Nähe zu den Kindern selbst genieße. Manchmal muss ich über mich selbst den Kopf schütteln. Aber meistens kann ich darüber lachen. Vielleicht bin ich deshalb eine #UnperfekteMutter, aber perfekt ist mir einfach zu anstrengend.“

In welchen Dingen seid ihr denn unperfekt geworden in euren Augen, seit ihr wieder arbeitet? Kommentiert zurück oder twittert unter dem Hashtag #UnperfekteMutter! Ich bin gespannt.

 

Bildquelle: flickr.com, by Irv Kagan Photos

Die „Notaufnahmeschwester“ packt aus

Notaufnahmeschwester

Ende März habe ich einen Artikel veröffentlicht: „Ich wünsche mir mehr Mittelfinger“. Es geht um die Arbeitsbedingungen im Gesundheitssystem und warum ich mich darüber wundere, dass nicht mehr Menschen, diesem Gesundheitssystem den „Mittelfinger“ zeigen.

Am 31.03.18 schreibt die „notaufnahmeschwester“ einen Text auf ihrem Blog „And now her watch is ended“.

DIE „Notaufnahmeschwester“, bekannt aus ihrem gleichnamigen Blog „notaufnahmeschwester.com“, gibt ihren Job in der Notaufnahme auf!

Die Bloggerin, die im Januar dieses Jahres für ihren Blogtext „Ihr Lappen!“, den goldenen Blogger Award verliehen bekam, verlässt ihren Heimathafen „die Notaufnahme“ nach 21 Jahren.

Ist das ihr persönlicher Mittelfinger?

Die „Notaufnahmeschwester“ verkörpert für mich Vieles in diesem System. Verantwortungsbewusstsein, Menschlichkeit, Empathie, soziales Verhalten, Humor, Sarkasmus, Komik, Tragik, Herzlichkeit, Stärke und Ehrlichkeit. All das findet man geballt in der Notaufnahme. Nirgendwo anders findet man die gesamte Bandbreite der menschlichen Abgründe so eng beieinander. Es erfordert fundiertes Wissen und eine Menge hervorragend trainiertes Bauchgefühl, sich in diesem Dschungel zurecht zu finden. Von den vielen Notaufnahmeschwestern, mit denen ich bisher zusammen arbeiten durfte, habe ich verdammt viel gelernt. Für jede einzelne Erfahrung bin ich dankbar.

Leider erlebe ich es immer mehr, dass gerade dieser Bereich in den Krankenhäusern (nebst allen anderen) massiv überlastet wird. Die Notaufnahmeschwestern und -pfleger arbeiten sich buchstäblich kaputt. Warum ist das so? Und vor allem, warum wehrt sich keiner? Was hat sich in den vielen Jahren geändert und was müsste sich ändern?

All diese Fragen durfte ich der Notaufnahmeschwester stellen.

Liebste Notaufnahmeschwester, ich danke dir für deine ehrlichen, herzlichen, nachdenklichen und ausführlichen Antworten im Exklusiv-Interview. Ich wünsche dir das Allerbeste für deinen Neuanfang!

Wer sie unterstützen möchte – folgt ihr doch auf ihrem wundervollen Blog.

 

Bildquelle. flickr.com, by valentin.d

 

„Ich WILL aber nicht!“

Trotzphase

Die 1-jährige liegt strampelnd auf dem Boden vor mir: „ICH WILL NICHT!“ Sie tritt und schreit und weint. Die Trotzphase sagt „HALLO“. Ich zucke mit den Achseln und lasse sie brüllen. Als das Schlimmste vorbei ist, hole ich ihr Kuscheltier und lenke sie ab. Eine lange Umarmung tröstet sie etwas.

Irgendwie bin ich neidisch. Einfach mal alles raus brüllen? Die ganze Anspannung, die runter geschluckten Kommentare, die einem auf der Zunge liegen, die nicht ausgesprochenen „NEIN“s des Alltags? Herrlich muss das sein!

Eine der größten Herausforderungen für mich sind kranke Patienten, die krank sein wollen. Oder auch Patienten, die gesund sind, aber krank sein wollen. Die gerne leiden, weil der sekundäre Krankheitsgewinn gut tut – Umarmungen, Kümmern, Aufmerksamkeit. Sie lamentieren und jammern und nerven. Am liebsten würde ich flüchten und sagen: „Nein, ich mag Ihnen nicht mehr zuhören.“

Auch im Kollegen- und Freundeskreis geht es weiter. Eigentlich würden sie doch sooo gerne in einer anderen Abteilung arbeiten, aber aktuell geht das eben nicht. Sowieso würden sie gerne überhaupt wieder arbeiten, aber wegen der Kinder geht es nicht, oder wegen dem Ehemann, oder wegen was-auch-immer. Eigentlich würden sie lieber zu Hause bleiben, als zu arbeiten, aber es geht ja nicht, weil…  Sowieso ist alles total anstrengend und das Leben so hart. Die Endlosschleife der Jammeritis ist für mich unerträglich. Noch unerträglicher als der Trotzanfall. Deshalb kommt es hier tatsächlich hin und wieder zum Fluchtreflex oder zum entsprechenden: „Ändere das, was dich stört, aber höre auf, mich damit zuzumüllen.“

Vielleicht schlage ich ihnen das nächste Mal einen kleinen bis größeren Trotzanfall vor. Alles rausbrüllen? Und dann ist wieder gut? Leider befürchte ich, dass das bei diesen Menschen nicht funktionieren wird.

Auf dem Blog „StrebensWert“ gibt es einen hervorragenden Artikel zum Thema „Muss ich heute schon wieder tun, das ich will?“.

Christopher Dedner versteht es, dieses Verhalten zu durchleuchten und fasst es unglaublich gut zusammen. Hier geht es um Verantwortung. Verantwortung für sich und sein Verhalten zu übernehmen. Sich die richtigen Fragen zu stellen und entsprechend zu handeln. Er schließt mit einer praktischen Anleitung zum Selbsttest ab. Probiert es einfach mal aus. Oder besser noch – schickt den Link doch an die Jammernden!

 

Bildquelle: flickr.com, by Tredok

Zurück in den Sattel

Pferd

Bald geht es zurück in den Sattel. Ich werde die anstrengenden, entspannten, freudigen, müden und glücklichen Tage in Elternzeit hinter mir lassen und wieder zur Arbeit im Krankenhaus übergehen.

Bis vor kurzem bestimmte eine innere Unruhe, zuweilen Aufregung und Angst dieses Thema. Wird mein Leben noch anstrengender und müder? Oder freudiger und glücklicher?

Mittlerweile wird meine Stimmung von reiner Vorfreude bestimmt. Die Eingewöhnung in der Kita ist in vollem Gange, mein Kind fühlt sich wohl. Mein Geist und mein Gehirn sind chronisch unterfordert. Ich habe eine Reihe für mich sehr untypischen Tätigkeiten begonnen um der geistigen Langeweile zu entgehen. Kreativität entsteht nur aus Langeweile. Das ist eine schöne Sache. Allerdings verdiene ich damit kein Geld.

Die zahlreichen Mamas starren mich jetzt sicherlich unglaubwürdig an. Es gibt so viel zu tun. Damit haben sie Recht. Es gibt immer etwas zu tun. Aber nichts davon grenzt an mein empfundenes Gefühl der Freiheit, endlich wieder arbeiten gehen zu dürfen.

Es verschafft mir Unabhängigkeit, Selbstwert, Selbstvertrauen und Geld. Mein Gehirn muss denken, überlegen, sich schnell auf Neues einstellen. Meine Beine müssen endlich wieder über die Flure gehen. Meine Hände müssen endlich wieder eine Schulter reponieren, ein Skalpell in der Hand halten oder einen Hammer.

In der Unfallchirurgie ist das Arbeiten von kurzen Erfolgen geprägt. Die Wunde ist vernäht, die Oberschenkelfraktur versorgt und die Prothese implantiert. Fertig. Das macht zufrieden.

Ich machen mir keine Illusion. Das Pferd wird mich immer und wieder abwerfen. Aber mittlerweile falle ich weich. Denn zu Hause wartet meist ein kleines Persönchen, das geknuddelt werden möchte.

 

Bildquelle: flickr.com, by Andrea & Stefan