„Mit Milchstau im OP“

worklife2

Endlich ist es soweit!

Ein neues Interview ist online. Eine Unfallchirurgin und Mutter zweier Kinder schildert ihren Weg durch den Dschungel der Vereinbarkeit als Ärztin und Mutter.

Hier findet ihr das ganze spannende Interview! Vielen Dank, liebe Interviewpartnerin! Ich bin mir sicher, dass sich viele andere Ärztinnen und Mütter oder werdende Mütter dieselben Fragen stellen. Vielleicht finden sie hier einige Antworten.

Solltet ihr auch Lust haben, die Fragen zu beantworten und so eure Kolleginnen auf ihren Wegen als Ärztinnen und Mütter zu unterstützen, so schickt mir das Interview einfach per Mail an unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com zurück.

 

Bildquelle: flickr.com, by Simply CVR

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Liebesbrief

Brief

Ich habe jemanden kennen gelernt. Sie ist groß, hübsch, intelligent, fürsorglich, liebevoll. Klingt wie ein Liebesbrief. Sie wird meine Freundin. Da bin ich ziemlich sicher. Das spüre ich. Erstaunlich. Sie ist mein absolutes Gegenteil. Sie ist die Frau hinter ihrem Mann, die Mutter seiner Kinder, die Frau mit Lebensplan, mit mehreren zukünftigen Kindern, gewünschte Vollzeit Mama für viele Jahre, gläubig. Ihr Kind ist ähnlich alt wie meines. So haben wir uns kennen gelernt. Zwei Frauen mit Kinderwagen. Und jetzt treffen wir uns jede Woche, vielleicht alle zwei. Sie erzählt mir von einer Welt, die ich bisher nicht kannte. Von der Planung eines Kindes, zu einem ausgesuchten Zeitpunkt, von einer Schwangerschaft im gewünschten Berufsverbot, um sich ausreichend auf die Geburt und die Zeit als Mutter mit Kind vorzubereiten. Von einem unterstützenden Chef und Kollegen, die ihre Kinderpause befürworten. Von Nachmittagen mit einem Buch auf dem schwangeren Bauch, um dann doch lieber einzuschlafen. Von nachgelesenen, überlegten Erziehungskonzepten. Von Diskussionen mit dem Ehemann, den roten Faden für die Erziehung ihres Kindes zu finden. Von Werten und Vorstellungen, die das Kind in 2, 3 oder 10 Jahren betreffen.

Ich erzähle ihr von meinem Planeten. Von 24 Stunden Diensten, von Händen, die im Brustkorb eines Mannes stecken, während das Kind gegen die Bauchwand tritt. Von der Überlegung, wirklich schon wieder auf die Toiletten gehen zu müssen, während 30 Patienten in der Notaufnahme auf eine Behandlung warten. Von Müsliriegeln in der Kitteltasche um die Schwangerschaftsgelüste und Kreislaufschwäche zu therapieren. Von Kollegen, die nur mit den Schultern zucken und den Kopf schütteln, wenn man als schwangere Ärztin um die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten bei einem infektiösen Patienten bittet. Von einem Fallenlassen ins Leben ohne Zukunftsplan, mit dem reinen Vertrauen auf sich selbst.

Wir könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch sind wir uns ähnlich. Jeder kämpft mit den Dämonen seiner Vorstellungen, seinen Bedürfnissen und dem Anfang eines neuen Lebens. Des Lebens mit Kind, als Partnerin eines Mannes, der von nun auch der Vater des gemeinsamen Kindes ist. Eines Lebens, das vielleicht anders anfängt, als gedacht oder geplant. Alles auf Neuanfang. Mit vielen Einflüssen und Ratschlägen von allen Seiten. Die jedoch seltenst den eigenen Vorstellungen entsprechen. Oder aber den Vorstellungen, sich aber nicht gut anfühlen. Von einem Leben, das von nun anders wird. Verwirrend, emotional, anstrengend, aufregend, eine unglaubliche Reise durch nicht enden wollende Tiefen und berauschende Höhen.

Umso häufiger ich sie sehe, desto spannender wird es. Desto freier fühle ich mich. Ich weiß, ich werde mich verändern. Und sie sich auch. Ohne dass wir es merken, werden wir uns wichtig werden. Wir können einander erzählen, was wir empfinden. Ohne, dass der andere darüber urteilt. Obwohl oder gerade weil wir so weit voneinander entfernt sind.

Ja, das ist ein Liebesbrief. An eine Freundschaft, die gerade erst entsteht.

 

Bildquelle: flickr.com, by Marco Verch

Karl, der Betrunkene und ich

Alkohol

Ich hasse die Arbeit mit Betrunkenen. Ich weiß, alle Menschen sind gleich und verdienen die gleiche Behandlung. Naja. Diejenigen mit den ganz besonders unangenehmen Gerüchen, sogar manchmal mit größter professioneller Distanz und am schnellsten. Aufschrei! „Was? Der Betrunkene kommt noch vor mir dran? Obwohl ich schon 20 Minuten länger warte?“ Ja. Durchaus. Schnell rein, schnell abarbeiten, nicht aufregen, simpel, zügig, ohne viel Geschrei, ab nach Hause. Geht das nicht, wird es nämlich noch unangenehmer. Geschrei, Gezeter, Stürze von der Liege, Handgemenge mit den Pflegern, noch mehr Gebrüll, Ärger mit anderen Patienten, Suchtrupps um die weggelaufenen Betrunkenen zu suchen, Polizei, viele Telefonate und verdammt viel unnötige Arbeit. Also ja, sie kommen manchmal schneller dran. Und gehen schneller wieder. Oder schlafen ihren Rausch auf der Station aus. Bescheiden wird es nur dann, wenn sie gehen wollen und nicht dürfen. Also, zu viel Alkohol im Blut und zu viel Blut im Kopf. Instabile Frakturen. Betrunkene, die sich selbst gefährden. Herrlich. Die meisten landen auf der Intensivstation. Da gibt es genug Flüssigkeiten, auch noch den letzten Widerstand in den Schlaf zu versetzen. Wenn das aber nicht geht, wird es erst richtig bescheiden. Ich erinnere mich an meinen letzten betrunkenen Patienten, Karl.

Wie er da vor mir stand. Schreiend, taumelnd, sich mit aller Kraft wehrend. Die instabile Wirbelkörperfraktur in seiner Wirbelsäule und die Fraktur in seinem Fersenbein ignorierend. Drohender Querschnitt hin oder her. Er hat mich schon sehr viel Zeit gekostet. In der Aufnahme, beim Blut abnehmen, im CT, beim Röntgen, beim Gipsen. Keinen Schritt ohne mich. Sehr viel Überredungskunst, freundliche Worte, beruhigende Worte. Zeit, die ich nicht für die anderen Patienten habe. Die nun warten müssen. Nachts. Bereitschaftsdienst, der heute mal wieder kein Bereitschaftsdienst ist. Sondern ein Dienst, rund um die Uhr. Karl möchte heim. Er ist 20 Jahre alt und hat 3 Promille. Diesen Pegel muss man üben, um mich damit noch stehend anschreien zu können. Er ruft seinen Vater an, ihn abzuholen. Der Vater erklärt mir nun, er unterschreibt mir, die Verantwortung für seinen Sohn zu tragen und ihn am nächsten Tag wieder vorbei zu bringen. Aha, er scheint das schon öfter gemacht zu haben. Dass sein Sohn nicht aufstehen darf und nur en bloc gedreht werden sollte, scheint er nicht zu verstehen. Karls Vater stinkt nach Schnaps, seine Kleidung ist völlig verdreckt und er hat sicherlich nicht weniger Promille in seinem Blut, als sein Sohn. Er ist mit seinem Auto in unsere Notaufnahme gefahren und als ich aus dem Raum gehe, gibt er seinem Sohn eine schallende Ohrfeige. Karl zuckt nicht einmal mit der Wimper. Karl war einmal ein Kind. Vor nicht allzu langer Zeit.

Aus Hass wird Mitleid. Einfach so.

 

Bildquelle: flickr.com, by Günther Hentschel

Hey – Nicht einschlafen!

müde

Ich habe kein Problem mit dem Schlaf. Er ist immer da, wenn ich ihn brauche. Manchmal taucht er allerdings auch auf, wenn ich ihn gar nicht brauchen kann. Beim Autofahren zum Beispiel. Ich kneife mich dann in die Fingerkuppe und ermahne mich selbst: „Hey, wach bleiben!“ Ich erinnere mich an diesen Satz in der Notaufnahme. Das tausendfache, rhythmisch Wiederholen, manchmal laut, zur Not schreiend.

Das alljährliche Stadtfest. Die Liegen in der Notaufnahme sind in der Nacht überfüllt mit betrunkenen, gestürzten, kotzenden Patienten. Kopfplatzwunden, Schnittverletzungen, Schlägereien, Versorgung der Patienten in Fließbandarbeit. Vor allem die jungen Patienten haben nicht nur in Bier gebadet. Sie stinken nach Marihuana, haben Tabletten mit Smileys in der Tasche.

Die Intensiv- und Überwachungsbetten sind belegt mit überdosierten, kaputten Körpern, die sich selbst und das Pflegepersonal gefährden und sich am nächsten Tag an nichts erinnern können. Die Rettungsdienste karren einen müden Patienten nach dem anderen um 0 Uhr, um 1 oder 2 Uhr nachts an. „Hey, nicht einschlafen! Bleiben Sie wach!“, schreien wir unsere Patienten an – wie die Helden in den TV-Serien. Ich verstehe, dass sie müde sind, bin ich auch.

Aber schlafende betrunkene Patienten, die auf den Kopf gefallen sind, sind nicht zu beurteilen. Sie haben keine Schutzreflexe. Sie kotzen nicht in einen Eimer. Sie kotzen sich selbst an. Ersticken daran oder sterben an der hässlichen Aspirationspneumonie. Sie bluten in ihren Kopf, ohne dass ich es bemerke, weil sie neurologisch nicht beurteilbar sind. Sie können mir nicht sagen, dass ihr Bauch schmerzt, weil sie einen Tritt in den Oberbauch bekommen haben und die Leber jetzt einen Riss hat. So lange sie wach sind, atmen sie. Aber wenn sie einschlafen, hört der mit Opiaten und Beruhigungsmitteln voll gepumpte Körper eventuell auch auf zu atmen – natürlich haben sie mir die Einnahme verschwiegen.

Lebensgefährlich für sie und lästig für mich. Bewusstlose Patienten sind verdammt viel Arbeit, die nicht auf später verschoben werden kann. Bebeuteln, Intubation, Intensivstation, eine unnötig hohe Dosis Strahlenbelastung für den jungen Schädel. Wenn man Glück hat. Wenn man aber Pech hat, steckt hinter der Bewusstlosigkeit das Gefürchtete: ein Schock aufgrund der Milzlazeration, eine Subarachnoidalblutung, ein Herzinfarkt, die lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, eine Intoxikation mit Atemdepression. Also schreien wir die Patienten an, um uns selbst und sie zu beruhigen. Solange sie wach sind und wach bleiben können, ist alles okay.

Sollten Sie also einmal so einen müden Körper irgendwo liegen sehen, schreien Sie ihn einfach an: „Hey, aufwachen! Bleiben Sie wach!“ Sobald er das nämlich nicht mehr ist oder nicht mehr bleiben kann, haben Sie ein Problem. Zumindest die stabile Seitenlage und die Nummer vom Rettungsdienst sollte man dann kennen.

 

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Bildquelle: flickr.com, by R!Q – STENCILOVE

Es war einmal … nichts?

Märchen

Diese Woche erhielt ich eine Nachricht von einer geschätzten Leserin meines Blogs. Sie schrieb mir von einem Märchen. Das ich nun freundlicherweise weiter erzählen darf. Verehrte Kollegin – vielen Dank! Wer weiß, vielleicht ist das Märchen sogar wahr.

„Es war einmal ein Rumpelstilzchen. Der wartete seit Stunden in der Notaufnahme. Er hatte eine lange Reise hinter sich.
Schon am Morgen war er in seiner behaglichen Wohnung überrascht worden.
Von einer Truppe der Feuerwehr, der Polizei und dem Rettungsdienst.
Die ihn, trotz heftigen Schimpftiraden, aus seiner Wohnung in die Notaufnahme brachten.
Das Rumpelstilzchen lag nämlich auf dem Boden, antwortete nicht adäquat und hatte eine Druckstelle am Hinterkopf.
Er hatte seine Wohnungstüre von innen abgeschlossen und vergessen, dass er eigentlich einen Termin mit seiner Tochter hatte.
Die sich natürlich sorgte.
Leider hörte das Rumpelstilzchen sehr schlecht und hatte an diesem Morgen auch vergessen, seine Hörgeräte einzusetzen.
So konnte er weder die Klingel an der Haustüre hören, noch die schnellen, leisen Fragen der Einsatzkräfte verstehen.
Er konnte sich nur mit Händen und Füßen wehren, aus seinem hutzeligen Zuhause verschleppt zu werden.
Dabei hatte er nur auf dem Boden gelegen, wie jeden Morgen, um seine Gymnastikübungen zu machen.
Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er auch noch heute!“
Wenn ihr auch solche Märchen kennt, die ihr erzählen möchtet, sendet sie mir doch gerne zu. Einfach an unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com. Ich freue mich über eure Geschichten.
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Bildquelle: flickr.com, by Olli Henze

Hilfe, ich brauche eine Knieprothese!

Knieprothese

3 Frauen sitzen im Wartezimmer.

Frau 1, ca. 55 Jahre, legt ihr Bein auf den Stuhl neben sich. „Ich lasse mir nie wieder das Knie operieren. Das war eine schlechte Entscheidung. Der Operateur war eine Katastrophe. Das Krankenhaus x schrecklich. Das Essen nicht genießbar. Und jetzt ist nach 3 Monaten immer noch Wasser im Knie. Die Narbe ist schrecklich und sehr lang. Da ist sicherlich etwas schief gelaufen währen der Operation.“

Frau 2, ca. 65 Jahre, sitzt entspannt daneben. „Also ich war in Krankenhaus y. Ich habe beide Knie operieren lassen. Das hat super geklappt. Ich bin sehr zufrieden. Die Narben sehen auch ganz anders aus, als bei Ihnen. Viel kürzer und sind sehr schön verheilt.“

Frau 3, ca. 80 Jahre, schaltet sich ein. „Ich war ja in z. Ich kann mich nicht beklagen. Es ist alles gut gegangen. Aber ohne Schmerzmittel geht es eben noch nicht. Und auch beugen kann ich das Knie nicht so gut. Aber die Narbe ist echt schön geworden.“

Frau 1 hat einen Retropatellarersatz, sehr selten. Frau 2 hat beidseits mediale Schlittenprothesen und Frau 3 hat eine vollgekoppelte Totalendoprothese.

NEIN, Knieprothese ist nicht gleich Knieprothese! Und NEIN, die Narbe sagt nichts über den Operationsverlauf.

Hilfe, ich brauche eine Knieprothese!

 

Bildquelle: flickr.com, by ANBerlin

Schlaf, Kindlein, schlaf

Schlaf

Schlafmangel bin ich gewohnt. 80 Stunden Wochen, drei 24 Stunden Dienste in einer Reihe, mit viel Glück 2 bis 3 Stunden Schlaf am Stück in der Nacht. Nicht schlafen kann ich! Auf meine Elternzeit bin ich vorbereitet!

Denkste! Ich hatte irgendwie vergessen, dass ich nach diesen Albtraumwochen und -wochenenden immerhin 4 bis 6 Stunden am Stück schlafen durfte. Vielleicht auch mal 8 Stunden. Zu der Zeit, zu der ich müde war. Wenn keiner was von mir wollte. Und mich auch keiner geweckt hat (meistens…). Keiner nach meiner Brust gesucht hat, die Windeln voll waren oder die Luft im Bauch nur mit kreisenden Bewegungen im Fliegergriff erträglich wurden.

Ich habe Schlafmangel. Die Diagnose ist schnell gestellt. Augenränder bis zum Mundwinkel, bleiches Gesicht, die Haare sind seit 3 Tagen nicht gewaschen. Ich bin gereizt, die Klingel ist stumm geschaltet und der Anrufbeantworter läuft sich heiß. Irgendwie gibt es einfach gerade keine Pause. Phase eben, wie mir die anderen Mütter versichern.

Immerhin hat mein Baby keinen Schlafmangel. Das mit dem Schlafen funktioniert irgendwie klasse… im Tragetuch, auf dem Arm, auf dem Oberkörper, im Gehen. Nur eben nicht ohne mich, nur selten im Sitzen und im Liegen schon gleich gar nicht.

Kein Problem. Notreserven auspacken. Nach 18 Stunden Dauerlauf von einem Patienten zum nächsten, ohne Pause, rollt das Polytrauma an. Kein Problem. Ich kenn das doch. Mein Körper kann das schon verkraften. Leider habe ich bloß das liebe, gute Adrenalin vergessen. Hier gibt es gerade nur viel Oxytocin.

Heute habe ich die dreckige Wäsche in den Trockner gesteckt. Mit Waschmittel. Nach zwei Stunden ist es mir aufgefallen. Ein Glück hatte ich auch vergessen, auf Start zu drücken. Der Hausschlüssel liegt beim Bäcker und mein Geldbeutel ist… wo ist eigentlich mein Geldbeutel?

Mir läuft es kalt den Rücken herunter. Ging es mir mit meinem Schlafmangel während der Arbeitszeit auch so? Habe ich vergessen, dem Patienten das Marcumar abzusetzen? Vergessen das niedermolekulare Heparin anzusetzen? Da war doch noch ein Patient mit einem echt niedrigen Kalium auf Normalstation… wie niedrig war das noch gleich? 2, 4mmol/l? Um 16 Uhr? Jetzt ist es 01.00h nachts… Und ja, die eindeutige Tibiakopffraktur bei dem jungen Patienten um 4 Uhr nachts, habe ich übersehen. Meine Augen haben da schon geschlafen.

Immerhin habe ich mein Kind noch nirgends liegen lassen. Kommt wahrscheinlich noch.

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Bildquelle: flickr.com, by PiConsti

Ohne Liebe und Passion geht es nicht

Weg

„Man braucht ein dickes Fell, ein gutes Durchhaltevermögen, eine gute Organisation mit doppeltem Boden, wenn es um die Kinder geht, und vor allem die Passion für das, was man tut, da es eine große Belastung ist, der man ohne Liebe für den Beruf vermutlich nur schwer standhält!“

Dies ist der Auszug aus dem aktuell neusten Interview mit einer Ärztin und Mutter zweier Kinder. Sie schildert ihren Weg, als Ärztin und Mutter durchs Leben zu gehen. Ihr Weg führte sie erst einige Jahre in die Allgemeinchirurgie, in die Gefäßchirurgie und schließlich in die Unfallchirurgie und Orthopädie.

Ich wünsche ihr, ihr Ziel – die Niederlassung – gesund, glücklich und zufrieden, zu erreichen.

Vielen Dank für das Interview!

Viele werdende Ärztinnen und werdende Mütter fragen sich, ob und wie eine Gleichzeitigkeit von Beruf und Familie möglich ist. Helft Ihnen, beantwortet die Interviewfragen und sendet sie mir als Kommentar oder als Email auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com zurück. Ich freue mich sehr darüber. Natürlich werden die Interviews, wenn gewünscht, anonym, veröffentlicht.

 

Bildquelle: flickr.com, by Rosemarie Voegtli

Notaufnahme – die Reisesprechstunde

Beachwatch

 

Lotte ruft mich an. Eine Freundin, Ärztin in einem Krankenhaus, Unfallchirurgin, Mutter zweier Kinder. Am Wochenende hatte sie Dienst. Sie nannte es „Reisesprechstunde“.

Jeder zweite Patient sei zur Abklärung seiner seit Wochen bestehenden Beschwerden gekommen. Schulter, Nacken, Rücken, Knie. Alles schmerzt. So kurz vor dem Urlaub, zwickt es noch einmal mehr. Ich erinnere mich.

„Die Wade brennt. Wenn ich jetzt in den Flieger nach Mallorca steige, wird das eine Thrombose? Könnte es nicht schon eine sein?“ „Die Schulterschmerzen sind schon lange. Aber im Urlaub möchte ich schon schwimmen gehen. Geht das?“

Außerdem hat ja der Hausarzt zu. Es ist ja Urlaubszeit. Und die Vertretung? Am Wochenende sind die schließlich auch nicht da. Der ärztliche Notdienst? Nein, da hat man schon angerufen. Röntgen können die nicht. Aber die Ehefrau meint, dass man das noch einmal vor dem Urlaub klären sollte.

Natürlich. Die Wartezeit in der Notaufnahme ist anstrengend. Es gibt, umsonst, nur Wasser zu trinken. Aber es lässt sich aushalten. Es gibt schließlich einen Bäcker im Krankenhaus, Café und Kuchen, vielleicht noch ein Eis. Und man könnte man ganz schnell die Nachbarin besuchen, die auf Station 3 liegt.

Außerdem, wenn man schon mal da ist, es brennt auch so beim Wasserlassen.

Dass der Junge mit der Patzwunde zuerst behandelt wird, wird noch toleriert. Aber spätestens bei der dritten Oma aus dem Pflegeheim, die angeliefert und vorrangig behandelt wird, wird die Geduld auf die Probe gestellt. Schließlich wartet man schon seit 2 Stunden.

Lieber wartende Patient mit den Schulterschmerzen seit 3 Monaten,

Liebe wartende Patientin mit den Nackenschmerzen seit 6 Wochen,

Liebe alte Dame mit den Rückenschmerzen seit 20 Jahren,

Oma 1 hat sich den Schenkelhals gebrochen. Sie muss operiert werden. Ja, jetzt noch. Oma 2 blutet unter ihrem Blutverdünner in ihren Kopf. Ja, das ist lebensgefährlich und ja, das Gespräch mit den Angehörigen dauert eine Weile. Oma 3 hat sich nichts gebrochen, flüchtet aber aufgrund ihrer Demenz, die ganze Zeit von der Liege, sodass die Pflegekräfte alle Hände voll zu tun haben.

Nicht zu vergessen, liegen da noch ungefähr 100 Patienten auf den Stationen, die vor oder nach Operationen, betreut werden müssen. Alte, junge, kranke und sehr kranke Patienten. Die einen Arzt brauchen.

Liebe Patienten, wollt ihr 2 Stunden auf einen Arzt warten, wenn ihr in den Kopf blutet? Oder 2 Stunden mit einem gebrochenen Bein da liegen, bevor ihr ein Schmerzmittel bekommt? 2 Stunden auf einen Arzt warten, der sich um euren Herzinfarkt kümmert, nachdem ihr gestern eine neue Hüfte implantiert bekommen habt? Nein?

Dann wartet auf euren Termin beim Hausarzt oder beim Orthopäden.

 

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Bildquelle: flickr.com, by x1klima

Hokuspokus und die Angstkeule

Hexe

Meine Hebamme ist im Urlaub. Die, die 60 Jahre alt ist und von meinem Schlag. Die Entspannung, das Zutrauen in Mutter Natur, das Veständnis, die Gelassenheit – sitzt in der Sonne in Kroatien. Dafür ist nun die Gründlichkeit, Angst und Skepsis in meinem Haus. Ihr Ersatz ist etwas jünger als ich und erzählt mir mal wieder was von Hokuspokus. Aus purer Höflichkeit setzte ich sie nicht vor die Türe. Ich verfluche meine gute Kinderstube.

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Bildquelle: flickr.com, by Pascal Volk