Ich habe „Rücken“ Folge 2

Den ganzen Morgen sind wir mit „Rückenpatienten“ beschäftigt. Zwei stationäre Aufnahmen mit klinischem Verdacht eines Bandscheibenvorfalls, etliche ambulante Patienten mit Lumbago, Lumboischiaglie, HWS- oder BWS-Syndrom. Eine Blasenentzündung. Viele Patienten, wie Frau Hofmann aus Folge 1, die Rückenschmerzen haben, deren Ursache im emotionalen/psychosomatischen Formenkreis zu finden ist. Diese „Rückentage“ sind anstrengend. Die Patienten erzählen viel, die Untersuchungen kosten Zeit, man ist gut beraten, alles sofort zu dokumentieren. Sonst wirft man irgendwann alles durcheinander. War das in 1 nun die Lumboischialgie oder die Lumbago? Oder doch der Patient mit der Kraftgradminderung von 3/5 im Großzehenheber? Ich gehe weiter in Kabine 2 zu Herr Franke. Er hat seit 3 Tagen Rückenschmerzen im oberen LWS-Bereich, bis hoch zu den Schulterblättern. Er war erst in der Notaufnahme eines anderen großen Krankenhauses, vorgestern beim Hausarzt, gestern hat er nachts den Notdienst gerufen. Er hat jedes Mal Infusionen und Schmerztabletten bekommen. Nichts hilft, egal was er einnimmt. Das Ibuprofen, das Morphin, das Dipidolor, keine Wirkung. Der Notfallpfleger runzelt die Stirn. „Was nehmen sie denn sonst für Medikamente? Das kann ja gar nicht sein.“ Herr Franke läuft rot an und wird wütend. „Was sollen diese Unterstellungen? Ich nehme nichts. Ich habe Blutdrucktabletten. Sonst nichts. Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin 52 Jahre alt, ich habe Schmerzen und keiner glaubt mir. Am ersten Tag dachte ich, ich überlebe diese Schmerzen nicht.“ Der Pfleger hat Recht, das kann nicht sein. Der Blutdruck von Herr Franke ist bei 190/100mmHg. Kein neurologisches Defizit, Blutdruck und Puls ist auf beiden Seiten gleich. Alle Extremitäten sind durchblutet. Die Laborergebnisse sind unauffällig. Das EKG ist unauffällig. Mein Gehirn rattert und ich fange an zu schwitzen, bevor ich der Radiologie Bescheid gebe. 30 Minuten später ist der Patient auf dem Weg in die Herzchirurgie. Aortendissektion Typ Stanford B. Ein Wunder, dass er lebt. Schade, dass Jonas gerade nicht da ist.

3 Gedanken zu “Ich habe „Rücken“ Folge 2

  1. Pingback: Warum hört mir denn keiner zu? | Unfallchirurgin und Mutter

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